Kitelandboarding (KLB) ist wie Kitesurfen nur ohne nass werden

Kitelandboaring Der Fahrer lässt sich stehend auf eine Art Skateboard mit Fußschlaufen und offroadtauglichen Rädern von einem großen Lenkdrachen über die Wiesen und Strände ziehen. Wie beim Kitesurfen liegt der besondere Reiz darin, sich vom dem Kite einige Meter in die Luft katapultieren zu lassen und dabei möglichst akrobatische Tricks zu machen.

 

Historisches

Anfang der 90er bastelten Snowboarder in den USA und England unabhängig von einander an einen fahrbaren Untersatz, um damit die Hügel wie auf Snowboards herunter zu fahren zu können. Heraus kam das so genannte Mountainboard oder auch All Terrain Board (ATB) mit großen Luftgefüllten Reifen. 1995 kamen die ersten englischen Mountainboarder auf die Idee, sich von einem Kite antreiben zu lassen. Man nannte die Sportart Kitelandboarding und sie verbreitete sich anfangs nur zögerlich. Erst ab 2002 begann in England ein regelrechter Boom. Zu selben Zeit wurden die ersten Mountainboards in Deutschlands Drachenläden angeboten, fanden aber anfänglich nur wenig Käufer. Mit der Entwicklung moderner Depower Kites wurde Kitelandboarding leichter und sicherer und seit ca. 2005 steigt die Zahl der Fahrer auch hierzulande rapide an.

Equipment

Anfänger müssen für eine erste komplette Grundausstattung bestehend aus einem Board, mindestens einem Kite und eine Schutzausrüstung ab 500 EUR investieren.

All Terrain Board

Das Deck ist zwischen 90 und 130 cm lang und ist entweder völlig aus Holz, in Schichten mit Glasfaser oder komplett aus Glasfaser, Carbon oder anderen künstlichen Geweben. Auf dem Deck sind Fußschlaufen montiert, damit das Board beim springen an den Füßen bleibt. Am auffälligsten sind die Reifen, die aufgrund ihrer Größe seitlich über das Deck hinausragen. Sie sind luftgefüllt und haben einen Druchmesser von 20 bzw. 23 cm. Günstiges Einsteigerboards kosten etwa 120 EUR und Highendboards bis 800 EUR.

Der Kite

Der Motor für Kitelandboarder ist ein 4 – 21 qm großer Lenkdrachen, der allgemein mit dem englischen Wort Kite abgekürzt wird. Tubekites sind eigentlich für den Einsatz auf dem Wasser gedacht, werden zum Teil aber auch zum Kitelandboarding auf dem Land verwendet. Tubekite enthalten Schläuche (Tubes), die vorher aufgepumpt werden müssen. Sie geben dem Kite ein starres bogenförmiges Profil. Tubekites zählen zu den Depowerkites, d.h. die Zugkraft des Kites kann über eine Lenkstange englisch Bar reguliert werden. Zieht man die Bar zu sich, heran erhöht sich die Zugkraft – schiebt man die Bar weg, wird sie weniger. Zum Kitelandboarden werden aber häufiger so genannte Foilkites (Lenkmatten) als Tubkites verwendet. Sie ähneln optisch den Gleitschirmen der Paraglidern. Foilkites gibt es in verschiedenen Ausführungen. Die fürs Kitelandboarding relavanten sind die Depowerkites, also mit Kraftregulierender Lenkstange und die Handle Kites. Handle Kites steuert man mit zwei getrennten kurzen Lenkstangen (Handles), in jeder Hand ein Handle. Handle Kites sind wesentlich günstigster als Depowerkites, haben aber den Nachteil, dass die Zugkraft nicht effektiv reguliert werden kann. Handel Kites liegen preislich je nach Größe zwischen 150 EUR und 800 EUR. Für Depowerkites gehen 450 EUR bis 2.500 EUR über den Ladentisch.

Schutzausrüstung

Wer mit Depowerkites fliegt, braucht konstruktionsbedingt ein Trapez, welches um den Bauch des Kiters geschnallt wird. Die Zugkraft des Kites wird über die Hauptleinen übertragen welche am Ende über eine Schlaufe, dem Chickenloop, in das Trapez eingehakt wird. Über ein Auslösemechanismus lässt sich diese feste Verbindung in Notsituationen schnell trennen. Mit einem Trapez setzt die Zugkraft des Kites nahe dem Köperschwerpunkt an und ermöglicht ein Kräfteschonendes Fliegen des Kites. Da sich Stürze, besonders bei Anfängern, nicht immer vermeiden lassen, ist das Tragen eines Helmes obligatorisch. Darüber hinaus sind Knie- und Ellebogenschoner sowie ein Rückenprotektor empfehlenswert.

Windabhängigkeit

Der richtige Wind ist eine Grundvorrausetzung fürs Kitelandboarden. Ab etwa 10 Knoten entwickeln die großen Kites genügend Kraft um ins rollen zu kommen. Ab 30 Knoten ( Windstärke 8 ) sollte man lieber auch die kleinen Kites gar nicht erst auspacken. Auch die Qualität des Windes ist für den Fahrspaß entscheidend. Je gleichmäßiger der Wind weht, desto leichter ist Kitelandboarding.

Fahrgebiet

Das größte Problem für Kitelandboarder ist eine geeignete Fläche zu finden. Die Fläche sollte mindestens zwei Fußballplätze groß sein, der Wind sollte möglichst unverwirbelt anströmen können, das heißt keine Bäume, Gebäude oder andere hohe Hindernisse im Abstand von mindestens 200 Metern. Als Untergrund eignet sich eine kurz gemähte Wiese oder ein harter Sandstrand. Zu hohes Gras oder weicher Sandstrand erhöhen den Rollwiderstand so stark, dass Fahren unmöglich wird. Außerdem dürfen keine Gefahrenquellen vorhanden sein wie z.B. Straßen oder Hochspannungsleitungen. Kitelandboarder trifft man daher häufig in großen Parks und Freizeitwiesen, auf frisch gemähten Futterwiesen oder an Stränden. Auch einige Segelflugplätze stellen Ihre Landebahn außerhalb des Flugbetriebes zur Verfügung.

Spaßfaktor

Die Kraft des Windes in einem Kite einzufangen, sich dagegen zu lehnen und in die eigenen Vorwärtsbewegung umzulenken, erzeugt bei den meisten Kitern bereits ein tiefes Glücksgefühl. Der besondere Reiz liegt jedoch wie beim Kitesurfen im Freestyle. Fortgeschrittene Fahrer nutzen die Kraft so, dass sie kurzzeitig mehrere Meter hoch abheben und während der Gleitphase von einigen Sekunden möglichst spektakuläre Luftakrobatik zeigen. Die Fahrer drehen sich mehrfach um alle möglichen Achsen oder nehmen schon mal das ATB von den Füßen (Boardoff) um es lässig im der Hand zu drehen und es noch rechtzeitig vor der Landung wieder an die Füße zu stecken.

Unfallrisiko

Kitelandboarding ist wie die meisten Sportarten leider nicht völlig ungefährlich. Die Kites müssen zum Vortrieb eine gewisse Kraft entwickeln. Wenn diese Kraft unbedarft eingesetzt wird, kann es zu Stürzen kommen. Die Verletzungen reichen von blauen Flecken, Verstauchung, Ausrenkungen, Bänderrissen oder gar Knochenbrüchen. Es gibt zwar noch keine eigene Unfallstatistik, aber Kitelandboaring dürfte in der Gefährlichkeitsskala irgendwo zwischen Fußball und Snowboarden liegen. Eine relativ geringe Gefahr geht von einem Kitelandboarder für andere Personen aus. Der Zugdrache hat ein geringes Gewicht hat und in ihm keinerlei Gestänge verbaut sind.

Rechtliches

Kitelandboarding darf grundsätzlich jeder ausüben. Ein Fahrlizenz oder ähnliches ist keine Pflicht. Es besteht auch keine Helmpflicht, wobei wir als Verein das Tragen eines Helmes ausdrücklich empfehlen! Das Befahren der öffentlichen Flächen bedarf keiner besonderen Genehmigung. Einige Strände und Wiese haben jedoch ein generelles „Drachenverbot“ und in Naturschutzgebieten ist Drachen steigen grundsätzlich verboten.

Entwicklung

Anhand der verkauften ATB, lässt sich belegen, dass mittlerweile über 5.000 Kitelandboarder über Deutschlands Wiesen und Strände rollen. Kitelandboarding wächst neben dem verwandten Kitesurfen zu einer eigenständigen Sportart heran. Besonders im Binnenland, fernab der Meere, hat die Sportart einen starken Zuwachs. Seit 2007 werden in Deutschland KLB Meisterschaften in den Disziplinen Race und Freestyle veranstaltet. 2010 wurde der erste reine Kitelandboarding Verein die KLB Association gegründet. Viele Kiter wechseln ihren Untersatz auch regelmäßig. Im Sommerurlaub geht es an die Meere zum Kitesurfen, im Winter in die Berge zum Snowkiten und dazwischen wird auf den heimischen Wiesen Kitelandboarding betrieben. Der „echte“ Kiter ist daher mobil, ungebunden und immer auf der Suche nach dem Wind.